... MEIN WEG ZUM TANGO

Mit 15 Jahren absolvierte ich meinen ersten Schultanzkurs.
Da hatte ich  schon klare Vorstellungen, wie meine Märchenprinzessin aussehen sollte. Die viel wichtigere Frage habe ich mir nicht gestellt: Ob ich der Märchenprinz war...

Das Ganze  war ein riesen Stress. Auffordern, manchmal abgewiesen werden, Schritte und Haltung im Kopf behalten und umsetzen ... Meine erste Freundin habe ich dann tänzerisch im Regen stehen lassen. Schade.

Dann ging es 10 Jahre bei der Weltmeisterin Mechtild Trautz mit Standard und Latein aufs Parkett.

1987 sah ich dann in München die „Tango Argentino“-Show. Ich war begeistert, fand aber in erreichbarem Umkreis keinen Tangolehrer.

In den 90-ern eröffnete mir meine Partnerin die Welt des Volkstanzes. Das war weniger äußere Form, sondern mehr Werben um die Frau,
Spaß haben, Bodenständigkeit.

Inzwischen war mir auch klar, dass ich alles andere als ein
Märchenprinz war. Aber zu einem Mann konnte ich mich
entwickeln. Und eines Tages fand ich auf einem Flohmarkt
ein Tangobuch. Die Verkäuferin, eine erfahrene Tangotänzerin,
brachte mich auf den einfachen Trichter: „Lies nicht, tanz'!“.
Das hat dann aber den ganzen Kerl gefordert, denn Tango
ist nicht nur eine weitere Folge von Schritten, sondern viel,
viel mehr...

Heute genieße ich meine Tangoumarmungen, wenn ich mich
ganz dem Fühlen hingebe, statt dem Denken in meinem Kopf.
Musik, die mich einhüllt, umspielt. Eine Frau, der ich zugewandt
bin, die ich spüre, rieche... Räume voller Licht und Schatten mit glänzendem Boden, Milongabesucher, die ich kenne und schätze
- andere, die ich noch kennenlernen kann.

Genauso meine Männergruppe: Gerade, weil ich dort über MICH rede, komme ich mir als Mann näher - fernab von Wildkirschtee und Vollbart oder Stammtisch. Und es entwickelt sich so über die Jahre eine ganz besondere Intimität und Männer-Freundschaft. Auch in der Körperarbeit.

Die Wochen im Odenwaldinstitut. Mit Musiktherapeuten und Psycho-dramatikern die Welt der Gefühle ergründen. In der Gruppe mit Gleichgesinnten. Mehrmals die ganze Achterbahn.

Auch schwierige Umbrüche in meinem privaten Umfeld zwingen mich zu einer klaren Bestimmung meines Rollenbilds.

Ich finde es gut, wie sich Frauen emanzipiert haben. Das schließt aber ein, dass auch ich mich auf meinen Weg mache - und der ist männlich.

Deshalb mein Angebot.